Glückspudel 'vom Salzburger Kopf'

Mittelpudel -Kleinpudel- Black and Tan Pudel – Apricotpudel-falb pudel- Naturpudel–Pudel

massiver Rückbiss – Nickis Geschichte

vor kurzem habe ich diesen Link hier veröffentlicht, weil es in diesem Blog massenhaft Beispiele von Rassen gibt, deren gewollte Verkrüppelung weitaus gravierender ist als das, was ich als Glück im Unglück eines kleinen Pudels beschreiben möchte….. aber ich fange besser von vorn an mit Erzählen :

Der kleine Nicki wurde als erster von 10 Welpen mit nur 104 Gramm geboren. Ob dieses Leichtgewicht etwas damit zu tun hat was sich später entwickelte, mag Spekulation bleiben. Jedenfalls hatte ich in der Vergangenheit schon des öfteren Welpen die sehr leicht auf die Welt kamen und immer völlig in Ordnung waren. Nicki jedenfalls bekam in den ersten Tagen Hilfe von mir und er hat sich tapfer ins Leben gekämpft und dann kam der Tag …….: Nicki macht mir Sorgen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist n4nicki1.jpg

Drei Wochen alt, super niedlich, wiegt inzwischen 600 gr. Input und Output völlig in Ordnung, auch sein Verhalten ist altersgemäß, da steht er seinen Geschwistern in nichts nach. Aber – sein Unterkiefer will nicht so wachsen wie es sein sollte. Wenn man im Netz schaut, gibt es das schon gelegentlich mal in vielen verschiedenen Rassen. Z.B. gibt es ja auch viele Rassen wo der Unterkiefer deutlich länger wird als der Oberkiefer und das ist gewünscht, obwohl es dem Hund ohne das Maul zu öffnen, reinregnet

Bild bearbeiten

So gesehen ist es bei Nicki zunächst ein rein optisches Problem, aber es wird Ärger mit den Zähnen geben, sobald sie da sind. Wir werden das beobachten und sicher früh auch einem Kieferorthopäden vorstellen

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist nicki2.jpg

Selten hatte ich einen so entspannten Welpen bei seiner ersten Autofahrt —

Also, das Problem besteht darin, dass er einen starken Rückbiss hat, der Unterkiefer also deutlich kürzer als der Oberkiefer, so dass die inzwischen gewachsenen Eckzähne ca 5 mm hinter den oberen stehen, obwohl sie eigentlich davor sein sollten. Da aber der Oberkiefer soweit hinten schon deutlich breiter wird, drücken sie sich oben in die Zahnleiste. Dort bildet sich ein kleines Loch.

Wir waren also gestern in der Tierklinik, beim Chef persönlich, der sich auf Zähne spezialisiert hat. Seine Meinung war mir wichtig. Und ich bin sehr erleichtert und zugleich begeistert wieder rausgekommen.
Versuche mal die Aussagen zusammen zu fassen, die absolut deckungsgleich mit dem sind, was mein „alter Tierarzt“ (leider verstorben) auch immer gesagt hat. „Keine Manipulationen im Milchgebiss“ schon gar keinen Zahn ziehen, denn der minimalste Infekt an der Wunde würde massiv den darunter liegenden bleibenden Zahn schädigen. Das kleine Loch in der oberen Zahnleiste bedeutet für den Hund kein Problem und auch das Wachstum würde dadurch nicht beeinflusst. Wenn überhaupt würde man nach dem Zahnwechsel mit einer „schiefen Ebene“ den Zahn nach außen zwingen. Bis dahin macht man gar nichts.“Die Zunge ist das wichtigste chirurgische Instrument und sie wird hoffentlich ihre Aufgabe erfüllen.“
Jetzt bleibt mir nur zu beobachten und zu schaun, ob und wie die Natur das hinkriegt.
Nicki jedenfalls ist genau so ein fröhlicher und unbeschwerter Welpe wie alle anderen auch, er frisst gut und es scheint ihn in keinster Weise zu stören. Er ist super entspannt und hat auf der sehr kurvigen Autofahrt tief und fest geschlafen, weder gespeichelt noch gegöbelt. Ganz kurz gefiept und sich dann mit der Situation abgefunden. Ich bin von diesem Charakterzug begeistert.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20230612_102627_edit_3037762174638542.jpg

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Sicherheitshalber fuhr ich vier Wochen später nochmal zur Kontrolle, aber es blieb bei der Aussage: “ Warten bis die neuen Zähne richtig draußen sind, auch wenn der zu kurze Unterkiefer sich weiterhin weigerte sein Defizit aufzuholen.“

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist nicki5monate.jpg

Es sieht mit 5 Monaten so aus, dass die neuen Eckzähne beginnen zu wachsen. Wie fast immer stehen die oberen eine kurze Zeit doppelt, bevor der neue den alten richtig verdrängt.
drei Wochen später sieht es dann so aus, der rechte Eckzahn hat es tatsächlich sogar nach draußen geschafft, oben ist der Milchzahn auch verschwunden.
auf der anderen Seite ist die Katastrophe sichtbar. Der Eckzahn geht innen hoch und bohrt sich in den Gaumen
Das Loch ist sichtbar. Nebenbei für die „Profis“ der P1 ist auch noch doppelt angelegt aber zur Zeit wirklich unser geringstes Problem 😉
Unterkiefer sieht gar nicht so übel aus, immerhin stehen beide Canini nach außen. aber der zu kurze Unterkiefer ist natürlich automatisch im Frontbereich gegenüber dem Oberkiefer viel zu schmal und allein deshalb können es die Eckzähne gar nicht alleine schaffen.

Noch ein paar Wochen gewartet, damit wirklich alle Zähne richtig draußen sind, denn man muss ja auch etwas haben, woran man etwas festmachen kann 😉 Es war eine lange OP, denn die sogenannte schiefe Ebene“ muss ja „am Patienten“ angepaßt, angefertigt werden und aushärten.

Ich habe gebeten, während der OP vielleicht mal ein Foto zu machen, denn er wird nie wieder so still halten und ich bin sehr dankbar, dass der operierende Arzt das für mich gemacht hat.Man kann links gut die Rille erkennen, die den unteren Eckzahn nach außen leiten soll. Das foto ist vom Oberkiefer, der Hund liegt auf dem Rücken.
so paßt der Zahn in die Rille
und ich finde, man kann sofort sehen wie das wirkt

Ganz schlimm ist allerdings, dass der arme Junge Tüte tragen muss. Er hat ja, wie so oft betont, ein sonniges Gemüt und trägt es mit Fassung. Mir wurde intensiv erklärt wie groß die Gefahr ist, dass er mit einer Kralle die Spange aushebeln könnte. Das wäre natürlich fatal.

das schlimmste sind die sozialen Auswirkungen. Das ganze Rudel ist im Stress, denn sie haben Angst vor seiner ungewohnten Erscheinung. Alle laufen weg oder knurren ihn an. Das kann er natürlich nicht verstehen. Aber- alles hat auch seine gute Seite, endlich kann er mal Jessie jagen, die sonst immer ihn beharkt 😉 Und ja, manchmal nehme ich sie ihm auch ab solange ich ihn unter Aufsicht habe.

Ich habe das hier aufgeschrieben, weil ich selber bei Entdeckung des Problems festgestellt habe, dass im Netz nicht viel zu finden ist außer den diversen Seiten irgendwelcher Hundezahnärzte und Kliniken mit sehr unterschiedlichen Meinungen und Ansätzen. Teilweise sehr widersprüchlich und manchmal überzogen. Außerdem nichts Konkretes bei so einem „schlimmen“ Fall. Ganz oft wurde bereits zum Ziehen der Milcheckzähne geraten was ich ganz schlimm finde, denn auch aus fachlicher Sicht ist das Risiko einer Infektion, die dann auch die neuen Zähne schädigt, riesengroß. Ich hatte mal einen Welpen, der einen Milchschneidezahn verlor, warum auch immer, gestoßen, ausgebissen oder was und der neue kam Monate später braun und faul heraus. Bei einem Eckzahn wäre das ungleich viel schlimmer. Deshalb zeige ich hier die meiner Meinung sehr korrekte und mit möglichst wenig Schmerzen und Umstände für den Hund verbundene Methode, die genau zielführend war.

Die Tüte habe ich nach wenigen Tagen weggelassen, es war klar zu sehen, dass er sich an den Fremdkörper im Maul gewöhnt hatte und nicht versuchte, es zu entfernen. Die soziale Komponente war mir grad wichtiger, denn er hat unter der Abweisung der anderen sehr gelitten.

Was im Vorfeld nirgendwo stand und keiner darauf hingewiesen oder drüber nachgedacht hat, die eingesetzte Masse sorgte dafür, dass sich heftig das Zahnfleisch entzündete, teilweise war es so schlimm, dass er wenn er länger lag, einen Blutfleck hinterließ, ich habe mir größte Mühe gegeben , die Ritzen und den Übergang zum Zahnfleisch sauber zu machen und zu halten, ich habe Chlorhexidin gepinselt, versucht hinter dem Einsatz zu spülen. Bei geringster Berührung des Zahnfleisches blutete es heftig. Und jeder kann sich vorstellen, dass Nicki das nicht toll fand weil es ihm Schmerzen bereitete.

Der arme Nicki stank bestialisch aus dem Maul – aber dieser „vergammeltes- Blut-Geruch“ animierte offenbar Leo sexuell und er versuchte ihn ständig zu besteigen.

Erst brachte die Tüte Unruhe ins Rudel und jetzt solche Übergriffe, ich konnte die beiden nicht miteinander allein lassen und Leo sah manchmal regelrecht verzweifelt aus. Irgendwas hat in ihm etwas ausgelöst was er selber wohl nicht begreifen konnte.

Wenn man so intensiv mit dem Rudel lebt ist das wirklich schlimm zu ertragen, Nickis offensichtliche Schmerzen und Leos Verzweiflung.

Die Unruhe im Rudel und insgesamt ein deutlich erhöhter Stresslevel. Tja….. sagen einem die Tierärzte, da kriegt er kurz ne schiefe Ebene eingesetzt und in wenigen Wochen ist alles erledigt……. bißchen optimistisch diese Aussagen. Aber ein weiterer Grund für diesen Erfahrungsbericht.

Nach 14 Tagen konnten wir ihn erlösen. Da sitzt er, der Einsatz wurde entfernt, das Zahnfleisch gründlich gespült und er kann es kaum erwarten wieder nach Hause zu kommen.

Der untere Eckzahn ist draußen und somit das Störende beseitigt. Mit dem „Rest“ wird er leben müssen und sicher Probleme haben eine Münze vom Boden aufzuheben 😉 . Aber alles ist gut, er sabbert nicht, seine Zunge hat Platz genug, seine Zähne haben sich arrangiert und er kann wie jeder andere Hund seine Knochen knabbern.

Eine nervenzehrende Geschichte geht dem Ende zu und dem kleinen „Flausche-Nicki“ wie er in der Klinik genannt wurde, steht ein ganz normales Hundeleben bevor. Man sieht es ihm auch nicht an, da muss man schon genau hinschaun……

Das letzte schöne Foto aus der Klinik möchte ich gerne zeigen und mit einem großen Dank an die Tierklinik Löhnberg , Dr Jekel und sein Team, verbinden. Wie immer habe ich große Empathie verspürt und fühle mich dort einfach gut aufgehoben mit meinen Viechern 😉

und zum Ende noch ein wenig philosophieren…… ist es gut, wenn ein Züchter eine Missbildung offen zeigt oder sollte er lieber auf Friede, Freude , Eierkuchen machen und nur von den Erfolgen berichten?

Wäre das nicht verdächtig? Es gibt keinen Züchter der nicht auch mal ein Problem hat, mag er noch so gewissenhaft sein, die Natur behält sich immer mal wieder vor, uns zu überraschen. Die Formel für absolute Perfektion gibt es nicht. Umso wichtiger, wie man damit umgeht, sich um das Lebewesen zu kümmern, das man in die Welt gesetzt hat und alles dran zu setzen auch ihm ein gutes Leben zu bieten.

Und darüber zu berichten, damit andere vielleicht mit den Informationen was anfangen können wenn sie mal vor demselben oder einem ähnlichen Problem stehen. Wer dafür kein Verständnis hat oder es in gegenteiliger Absicht verwendet „oh, oh … guck mal, die hat einen Rückbiss in ihrer Zucht!“ gehört nicht zu den Menschen, mit denen ich mich abgeben möchte und kann mir gestohlen bleiben.

Vor mehr als 20 Jahren habe ich auch über Bonnie mit dem ektopen Ureter berichtet, bis dahin wussten viele gar nicht, dass sowas existiert .

Und wenn man das bedenkt, wie viele gesunde Hunde in der Zwischenzeit geboren wurden, ist die Quote doch super, oder?

Ich bleibe dabei, ich möchte meine Leser am Zuchtgeschehen teilhaben lassen, mit allen Höhen und Tiefen die dazu gehören. Alles andere wäre gelogen.

Nicki hatte das große Glück als Nachfolger von Dschinni zu Jutta nach England zu ziehen wo er jetzt fröhlich und als geliebtes Familienmitglied ein tolles Leben führt und in keinster Weise eingeschränkt ist.

Mittelpudel -Kleinpudel- Black and Tan Pudel – Apricotpudel-falb pudel- Naturpudel–Pudel

nach oben
error: Finger weg! Das ist meins !