es lohnt sich sicher, auch mal über Nassfutter nachzudenken, denn auch hier gibt es Unterschiede, in den Inhaltsstoffen und den Verpackungsarten. Wo liegen die jeweiligen Vor- und Nachteile?
Mein erster Ansatz war, ob Futter, die aus Fleisch von verschiedenen Tieren entstehen, weniger künstliche Zutaten zusetzen müssen, denn sie können durch die Mischung schon einiges erreichen. So haben verschiedene Fleischsorten unterschiedliche Mikronährstoffe. Rind → Eisen, Zink, B12 Geflügel → Niacin, Selen Lamm → Kupfer, Zink Fisch → Jod, Omega-3, Vitamin D Innereien (Leber, Herz, Niere) → Vitamine A, B-Komplex, Spurenelemente
Kombiniert man diese sinnvoll, deckt man viele Bedarfe automatisch Ergebnis: weniger synthetische Vitamine/Mineralien Zusätze nötig
Single Protein ist in der Regel nur aus einer Tierart. Das bedeutet dann . Ein echtes Alleinfutter aus nur einer Tierart geht also nicht ohne mehr Zusätze. Also gilt grundsätzlich „Futter mit mehreren sinnvoll kombinierten Fleischsorten können Nährstoffe natürlicher abdecken und brauchen deshalb oft weniger Supplemente als strikt gehaltene Singleprotein-Futter .
Gegenargument : Nun müssen mehr Zusätze ja nicht per se schlechter sein, denn gute Hersteller nutzen sie gezielt und nicht inflationär und viele magenempfindliche Hunde vertragen es besser, wenn nur eine Proteinquelle drin ist, sofern man die jeweils richtige gefunden hat.
Grundsätzlich kommt Nassfutter konstruktionsbedingt sowieso mit weniger Zusätzen aus als Trockenfutter, weil weniger Nährstoffe verloren gehen. Sie werden fast immer in der Dose gegart.
Da müssen die Zutaten für die Deklaration Alleinfutter vorher zugesetzt werden oder vorhanden sein und auch die Erhitzung überstehen, während sie bei Trockenfutter nachträglich aufgesprüht werden können
Bei Dosen gilt: Große Dosen müssen länger erhitzt werden, damit die Hitze den Kern erreicht, also sind kleinere Dosen oder Schälchen besser in puncto schonende Verarbeitung
Im Schnitt wird Nassfutter zwischen 100 und 120 Grad erhitzte, einmalig und kurz, Trockenfutter zwischen 120 und 200 Grad in mehreren Erhitzungsstufen,,,,, außer kaltgepresst aber das hatten wir schon. (Details zum TroFu im vorigen Artikel)
Die kleinen Schälchen aus Alu sind besonders nährstoffreundlich, sie werden wegen ihrer flachen Konstruktion nur sehr kurz erhitzt und bewahren so Nährstoffe und Vitamine besser.
Ich habe da eine schöne Tabelle gefunden:
| Verpackung | Temperatur | Dauer | Nährstoffschonung |
| Dose | 118- 121 Grd | lang | gut |
| Aluschälchen | 115-121 Grad | kürzer | sehr gut |
| Beutel | 115-120 Grad | sehr kurz | top |
| Pasteurisiert | unter 100 Grad | kurz | nicht steril !! |
Nun darf man bei allem aber nicht die Qualität der Inhaltsstoffe vergessen, die kann natürlich sehr unterschiedlich sein. Diese kann man, wenn nicht offen deklariert wird, nur schwer einschätzen. Ein bisschen was kann man dennoch finden z.B beim Punkt Rohasche:
unter 2,5 % = eher Muskelfleischlastig
Über 3% = viel Knochen/Bindegewebe
über 4% = sehr wahrscheinlich „Resteverwertung“
(Ausnahme: Welpenfutter mit gezieltem Knochenanteil)
Hoher Calcium / Phosphor Gehalt deutet auf viel Knochenmehl hin, wäre im Welpen- Junghundfutter aber nicht unbedingt schlecht.
Auch optisch kann man beurteilen :
Muskelfleisch-lastig = faserig, saftig, lässt sich zerteilen, riecht „fleischig“
Bindegewebe-lastig = gelartig, glasig, schmiert, zieht Fäden, wirkt wie Pressfleisch
wenn sich am Boden des Behälters Fett abgesetzt hat, gutes Zeichen! Sehr wenig Fett bedeutet nämlich viel Bindegewebe. Muskelfleisch dagegen bringt Protein und Fett.
Am besten sind natürlich transparente Hersteller die die Anteile in Prozent angeben. Z.B. 60 % Muskel, 10% Leber und so weiter. Wobei Herz als Muskelfleisch gilt.
Ein weiteres Kennzeichen sind die Fütterungsempfehlungen. Je höher sie liegen umso minderwertiger sind die Zutaten, also viel „Füllstoff“ drin, den der Hund nicht verwerten kann.
Aber, als ich dann danach suchte, wie sehr ich mich denn verlassen könne und ob das kontrolliert wird, ob also auch drin ist was draufsteht, wurde ich doch etwas enttäuscht. Es wird stichprobenartig kontrolliert, Veterinär- oder Lebensmittelkontrolle aber mehr in Richtung Hygiene, Gewichte und Deklaration als in Richtung Frische, Qualität und Zustand der Zutaten.
und immer wieder gewinnen die preiswertesten Futter die Tests, wo hauptsächlich darauf geachtet wird, dass alles drin ist was der Hund braucht.
Tja, alles nicht so einfach. Wenn ich versuche , für mich etwas Licht ins Dunkel zu bringen lasse ich meine Leser gern daran teilhaben, ohne jede Garantie für irgendwas….. Sollte jemand hier einen grundsätzlichen Fehler finden bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.
Wenn ich also ein nach allen Kriterien gutes und transparentes Nassfutter kaufe ist der Kilopreis so hoch dass sich mir der Gedanke aufdrängt, ich könne doch genauso gut Frischfleisch kaufen. Hier habe ich Einfluss auf Qualität und Herkunft und wenn ich auf Bio bestehe, dann hab ich auch sicher Bio. Aber auch bei preiswerteren Angeboten denke ich, es ist immer noch besser als das was ins Hundefutter kommt……
Nicht außer acht zu lassen ist, dass die Preisgestaltung nicht immer nur etwas mit der Qualität zu tun hat. Größere Hersteller kaufen aufgrund der Mengen preiswerter ihre Rohstoffe ein.
Bei vielen Herstellern geht ein großer Teil des Preises in Werbung und/oder Vertrieb. Je nachdem, wieviel Provisionen sie zahlen oder sonstige Vergünstigungen geht schonmal 30% (oder mehr)des Preises dafür drauf . Immer wieder tauchen bei der Recherche bestimmte Namen auf, die in dieser Hinsicht auffällig sind. Die werde ich aber nur im privaten Gespräch nennen, denn das öffentlich zu tun wäre unfair und rechtlich bedenklich.
Leider leider leider gilt heute nicht mehr, dass man nur viel Geld ausgeben muss, um dann auch etwas Hochwertiges zu bekommen. Es gehört viel nachlesen und noch mehr Vertrauen dazu. Zu entscheiden wem man dieses schenkt ist nicht einfach.
Ich persönlich habe noch in keinem Hundefuttergeschäft Fessnapf, Futternapf oder wie sie alle heißen jemanden gefunden der wirklich inhaltlich gut beraten hat, sondern relativ platt die jeweilig vorhandenen Futter anpries. Klar, die wollen und müssen verkaufen. Ich stelle mich oft unauffällig in die Nähe wenn ich merke dass dort ein Beratungsgespräch geführt wird und manchmal stehen mir die Haare zu Berge! Aber niemand glaubt, dass da als Minijobs ausgebildete Ernährungsberater angestellt werden?
In guten Barfshops sieht das besser aus, läuft aber dann meist darauf hinaus dass Rohfüttern als das einzig Wahre angepriesen wird und das ist nunmal nicht jedermanns´Sache.
Meine Recherchen haben für mich bestätigt dass ich bei meiner Mischfütterung bleibe. Gelegentlich roh füttern, Herz z.B., Pansen, aber auch Muskelfleisch. Zweimal die Woche selber kochen (oder auch Pfannkuchen) und für die andere Zeit ein ganz normales Nassfutter, besonders das in den kleinen Schälchen. Wenn die Hunde über das gefütterte Muskelfleisch alle darin enthaltenen Vitamine und Nährstoffe bekommen kann ich beim gelegentlichen Nassfutter durchaus etwas preiswerteres nehmen. Für zwischendurch oder Sondersituationen ein sehr hochwertiges Trockenfutter.
Frischfutter gezielt ergänzt durch z.B. Eierschalenmehl (Calzium),Knorpel oder CalciumTabletten, Seealgen (Jod) Leber (Vit A) und Lachsöl (Omega 3)m
Zusammenfassende Beurteilung der verschiedenen Fütterungsarten:
Trofu als Hauptfutter ist am ökonomischsten und einfachsten, aber qualitativ der größte Kompromiss
Nassfutter als Hauptfutter ist qualitativ besser, aber gute Nassfutter haben ihren Preis und es entsteht viel Müll, er aber recycelbar ist.
Frischfleisch (oder selbstgekocht) und gezielte Ergänzung ist die beste Balance aus Qualität & Preis, allerdings am arbeitsaufwändigsten.
Aber mal ganz ehrlich! Wir sind bereit, hunderte von Euros für Körbchen, Geschirr und Schnickschnack auszugeben aber beim Futter muss es das praktischste mit dem wenigsten Aufwand sein. Ist das logisch?
Ich freue mich wenn ich dem einen oder anderen Hilfestellung für seine Entscheidungen geben konnte.