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Leidet er ? – der Rüde im Züchterrudel

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Immer wieder lese ich die vorherrschende Meinung, ein  Deckrüde würde im Rudel leiden, weil er eben des öfteren auf engem Raum mit läufigen Hündinnen konfrontiert wird und das aushalten muss. Bis vor kurzem habe auch ich wiederholt gesagt, dass ich das”nach Gizmo” nie wieder einem Rüden antun werde.

Aber man sollte von Zeit zu Zeit solche Meinungen mal hinterfragen und überdenken. Es ist noch nicht so lange her, dass ich begann durch die ständigen Beobachtungen des Rudelverhaltens und meine große Empathie für den wundervollen Gizmo in eine andere Richtung zu denken. Leidet er wirklich oder hat er nicht ein total tolles artgerechtes Leben?

Leiden wird definiert als Sammelbegriff für alles was jemanden seelisch und körperlich belastet. Wie geht es diesem Hund damit?onkelgizmo

Durch sein Rudelleben ist Gizmo zu einem äußerst souveränen Rüden geworden. Er kann mit Artgenossen, egal welchen Geschlechts, perfekt umgehen, er belästigt keine Hündin, die nicht wirklich in der richtigen Zeit steht und er reagiert völlig cool auf pubertierende Jungrüden oder pöbelnde unsoziale ältere Jungs denen diese Erziehung leider nicht zuteil wurde. Er hat ein völlig intaktes Verhältnis zum anderen Geschlecht und kann auf dem Hundeplatz mitmachen, selbst wenn nebenan eine läufige Hündin sitzt. Den meisten Rüden heutzutage wird es gar nicht ermöglicht ein “normales Verhältnis ” zu den Damen zu entwickeln.

gizmoangel11-3-jpggizmo799Wunderschön zu sehen, wie er in den Wochen vor den Läufigkeiten beginnt, mit den  Ladies zu spielen wie ein junger Welpe, man vergißt völlig, wie alt er ist wenn er so ausgelassen herumtobt. Und er hat es sicher auch vergessen, dass ihm manchmal beim Aufstehen, die Konchen etwas steif sind.
Ist die Hündin dann soweit bekommt er eine so stolze Körperhaltung, schreitet im Imponiertrab daher und ist wie verwandelt. Es tut ihm gut! Erinnern wir uns an “eine neue Lie be ist wie ein neues Leben” und wer kann sich nicht daran erinnern, wie oft frisch Verliebte im Hormontaumel genau dieses Gefühl bestätigen. Warum sollte  ein Hund das nicht auch empfinden, das positive Gefühl “am Leben zu sein”, mit all seinen Facetten?gizmo790
Auch seine morgendliche Hinterteilkontrolle ist sicher ein wichtiger Teil seines Lebens, immer informiert zu sein über den Zustand seiner Damen. Ein weiteres wichtiges Ritual ist die tägliche Markierrunde um sein Revier, die Pippistellen der Damen kontrollieren und überall sorgfältig drüber pinkeln 😉
Ja- und wenn dann die drei-vier Tage Standhitze kommen, dann “leidet” er.
Aber erstens  ist es nicht vielleicht unsere Sicht der Dinge, weil er manchmal winselt und gelegentlich am ganzen Körper vibriert? Nervt es vielleicht nur uns, dass wir die Türen zuhalten müssen und ständig aufpassen und ja- das Gewinsel ertragen?

Wenn es Leiden wäre, warum leidet er dann bereits zehn Minuten nachdem er “durfte” wieder? Wenn es ein Leiden ist, ist es durch Erfüllung des Triebes nicht ausschaltbar. Ist es nicht vielmehr so, dass auch mancher Jungwolf im Rudel nicht decken darf und es ertragen muss, dass die Begattung der Damen einem anderen zusteht? Also auch in der Natur kommt ein Rüde nicht immer zum Zuge, wenn ihm danach ist

Und was gewinnt er ? Gegen maximal 30 Tage “Leiden” im Jahr stehen die restlichen 90 Prozent volle Lebensqualität und Lebensfreude. Abwechslungsreicher und “voller” als es jedem Rüden, der allein mit seinen Menschen lebt, geboten werden kann. Würden wir auf eine unserer Leidenschaften verzichten, nur weil wir sie nicht immer und ständig ausleben können? Sind sie nicht trotzdem ein wichtiger Teil unseres Lebens?

Ich jedenfalls bin sehr nachdenklich geworden. Und möchte die obige Frage nicht mehr eindeutig mit “Ja” beantworten.

gizmoschlafSachliche Meinungen und Argumente würden mich sehr interessieren, ich lasse mal wieder die Kommentarfunktion an 😉

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6 thoughts on “Leidet er ? – der Rüde im Züchterrudel”

  1. Hallo Frau Pohl,
    wow, Sie haben so eine tolle Einstellung zum Züchten von Rassehunden! Das passt für mich wie eine eins. Und eine tolle Seite, wo man so vieles über Hundeerziehung lernen kann. Selbst für mich ist da noch einiges drin: seit vier Jahren habe ich einen gutgehenden Spazierdienst in Basel, kenne auch Jan Nijboer persönlich von Vorträgen und Seminaren, welche er in meiner Nähe gibt.
    Nun trage ich mich mit dem Gedanken, einen Hund zu meinem festen Begleiter zu suchen.
    Meine erste Kundin hat mich auf den Pudel gebracht, eine kleine Mittelpudel-Dame, inzwischen bald 12jährig und immer noch fit. Sie ist inzwischen mein Patenhund und ich werde sie übernehmen, wenn es für die Besitzerin nicht mehr geht.
    Was mich bis jetzt an der ganzen Rassenhundezucht nervt, ist den riesen Tamtam mit Ausstellungen etc, aber vor allem auch dass der Ehrgeiz des Menschen immer im Vordergrund steht und Hunde sogar mit körperlichen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen gezüchtet werden.
    Auch zum Thema Impfen, haben Sie eine sehr mutige und fortschrittliche Einstellung.
    Toll, dass es tatsächlich auch noch Züchter gibt, welchen wirklich das Wohl des Tieres am Herzen liegt.
    Gerne möchte ich mit Ihnen im Kontakt bleiben und sehen, ob ich bei Ihnen nicht ein zukünftiger Vierbeiner finden könnte.
    Mit freundlichen Grüssen
    Caroline Klopfenstein / Basler Hundespazierdienst

  2. Liebe Karin

    Deine Gedanken über das Rudelleben ehren Dich! Ich teile voll und ganz die Meinungen von Uli Krieger und Ingrid. Gizmo und Leo führen ein artgerechtes Leben, auch wenn die Rudelharmonie gewisse Dissonanzen ertragen muss. Das spürt bereits Phajo, da seine Mutter läufig geworden ist.
    Herzlich Anita

  3. Liebe Karin
    Ich kann all ihre Argumente sehr gut nachvollziehen. Ein gewisses Maß an ” Leiden” gehört nun mal zum Leben dazu; das kann man seinen Lieben nicht ersparen, egal ob Mensch oder Tier.
    Ich habe gerade das Buch: Wölfisch für Hundehalter gelesen.
    Im freilebenden Wolfsrudel gibt es auch Rüden die freiwillig im Rudel bleiben auch wenn sie erwachsen sind, andere wandern ab; manche kommen sogar irgendwann wieder. Das hängt von äußeren Umständen ab, aber vor allem von den einzelnen Individuen.
    Karin, sie beobachten ihr Rudel sehr genau und ich bin mir sicher, falls eines ihrer Tiere zu sehr leiden würde, würden sie eine gute Lösung suchen und dann zum Wohl des Tieres entscheiden ( wie damals bei ihrer Dschinni ).
    Also warum nicht versuchen, ich drücke die Daumen für die “Rudelharmonie”!!
    Liebe Grüße Ingrid

  4. Hallo Frau Pohl,

    ich teile Ihre Meinung dass für einen intakten Rüden ein artgerechtes Leben im Rudel möglich ist.
    Es liegt in der Natur von Tieren (und Menschen) den Frust über “nicht dürfen was man gerade will und kann” aushalten zu können und zu müssen.
    Ob die Bedürfniss nun sexueller Natur sind oder nicht.
    Lieben Gruß
    Uli Krieger

  5. Liebe Karin
    Ich denke “leiden”ist in der Tat etwas sehr Subjektives..Ich finde bemerkenswert ,das sich die Menschen in der Regel eher Gedanken um den “armen” Rüden machen,der nicht darf,als um die Hündin,die nicht belegt wird/werden soll und die vielleicht genau so “leidet”.

    1. Da hast Du völlig Recht, beim Thema Sexualität denken fast alle nur über die Rüden nach, wieder ein Thema für einen Artikel 😉 bei der Hündin stellt man sich eher die Frage ob sie darunter leidet wenn sie Welpen bekommt oder ob das für sie die Erfüllung eines völlig natürlichen Lebens ist. Auch da gehen die Meinungen auseinander.

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